Interview mit Prof. Dr. Dr. Wolfgang Buskies

„Die Tücken unseres Rückens“

Die Wirbelsäule ist die „Säule“ unseres Körpers, wie kommt es, dass sie uns so viele Beschwerden bereitet?

Durch den aufrechten Gang hat der Mensch nur noch 2 Unterstützungspunkte, was bedeutet, dass der Körper und die Wirbelsäule ausbalanciert werden müssen. Dazu wiederum ist eine ausgewogene Muskelkraft notwendig, die in unserer technisierten Gegenwart nicht häufig gegeben ist. Fehlhaltung und Bewegungsmangel führen oft zu Verspannungen und Rückenschmerzen. Bei fehlenden Bewegungsreizen  nimmt die Leistungsfähigkeit des Bewegungsapparates ab. 

Gleichzeitig bedeutet es nicht, dass Berufsgruppen mit hohem Bewegungsanteil im Umkehrschluss weniger Beschwerden haben. Beispielsweise kann es bei Bauarbeitern durch ungleiche Muskelbelastung durch zu Schweres Heben und Tragen ebenso zu Rückenproblemen kommen.

Welcher Teil der Wirbelsäule sorgt für den meisten „Schmerz“ und warum?

Am häufigsten treten Rückenbeschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Hier treten auch 60 % aller Bandscheibenvorfälle auf, gefolgt von dem Bereich der Halswirbelsäule und zuletzt der Brustwirbelsäule. In letzt genannter kommt es eher selten zu Beschwerden. Das liegt an der besonderen Struktur dieses Bereiches, die Brustwirbelsäule ist ein Sonderfall. Alle 12 Brustwirbel sind besitzen alle ein zusätzliches Gelenk, an dem sie mit jeweils einer Rippe verbunden sind. Bei den oberen 10 Wirbeln sind die Rippen über einen Knorpel fest mit dem Brustbein verbunden. Durch diese knöcherne Verbindung hat dieser Bereich eine größere Stabilität und weniger Bewegungsspielraum, was seine geringere Anfälligkeit erklärt. Auf der Lendenwirbelsäule lastet der größte Druck, daher sind die Wirbel hier auch am stärksten ausgebildet.

Aber auch die Halswirbelsäule ist anfällig für vor allem muskuläre Beschwerden wie Verspannungen. Die Halswirbelsäule ist der beweglichste Abschnitt der Wirbelsäule. Gleichzeitig lastet auf ihr das gesamte Gewicht des Kopfes – und das ist nicht zu unterschätzen. Oft werden die Verspannungen auch durch Fehlhaltungen wie den so genannten „Geierkopf“ ausgelöst, hierbei ist der Kopf nicht zwischen den Schultern, sondern nach vorn ausgerichtet.

Zur Entlastung der Halswirbelsäule ist sollte die Muskulatur in diesem Bereich gedehnt, gleichzeitig aber auch gekräftigt werden.

Müssen wir akzeptieren, dass wir mit dem Alter „schrumpfen“ und wie können wir diesen Prozess möglichst lang hinauszögern?

Ja, das müssen wir akzeptieren. Warum? Zwischen unseren Wirbeln liegen 23 Bandscheiben, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Im Alter nimmt der Flüssigkeitsanteil, so dass das Volumen der Bandscheiben sich verringert und zu einer Abnahme der Körpergröße führt. Das gleiche Phänomen können wir aber auch an einem Tag beobachten. Wir sind morgen größer als abends. Nachts wenn wir liegen und uns entspannen, entspannen quasi auch unsere Bandscheiben, da kein Druck auf ihnen lastet wie im Sitzen oder Gehen. Sie können sich wie ein Schwamm mit Flüssigkeit füllen, nehmen an Volumen zu und schenken uns morgens ein wenig mehr Körpergröße. Diese nimmt dann logischerweise im Laufe des Tages, wenn die Bandscheiben Belastung ausgesetzt sind, wieder ab.

Was passiert beim Bandscheibenvorfall?

Beim Bandscheibenvorfall drückt die Bandscheibe entweder nach hinten gegen das Rückenmark oder sie tritt zur Seite aus und drückt dort auf die Spinalnerven. Meistens wird eine konservative Behandlung bevorzugt: Wärme und spezielle Lagerung. Oftmals zieht sich die Bandscheibe in die Normalposition zurück. Auch ist nicht die eigentliche Bandscheibe, die schmerzt, wohl aber die umliegenden Strukturen, auf die sie drückt.

Wir danken für das Interview mit Prof. Dr. Dr. Wolfgang Buskies